W. Earl Brown in Sheriff Country | Bild via CBS
„Sheriff Country“ wirkt in „Exit Interview“ etwas verworrener als sonst, doch die Fokussierung auf Wes ist eine willkommene Abwechslung, auch wenn Boones Dilemma offensichtlich erscheint.
Wenn die Serie in Bestform ist, ist „Sheriff Country“ eine hervorragende Krimiserie, wie die vorherige Folge gezeigt hat. Doch in Folge 6 läuft sie nicht in Bestform. Sie wirkt wie eine seltsame Übergangsfolge, geprägt von Skyes auffälliger und plötzlicher Abwesenheit (sie ist offenbar auf Rucksacktour) und dem ganzen Trubel um Boones bevorstehenden Abschied, der sich letztendlich als völlig unbegründet erweist. Versteht mich nicht falsch, nichts davon ist schlecht: Es gibt immer noch einige sehr unterhaltsame Momente mit den Charakteren, und die Haupthandlung um Wes ist solide und wird von einem exzellenten W. Earl Brown gekonnt verkörpert. Doch vielleicht zum ersten Mal in „Exit Interview“ wirkt die Serie eher wie eine gewöhnliche Krimiserie als wie eine wirklich gute.
Nach der Enthüllung in letzter Minute in der vorherigen Folge, dass Boone heimlich verheiratet ist, gibt es eine ganze Handlung um seine sehr vorsichtige Beziehung zu seiner Frau Nora, die unglaubwürdig wirkt, da sie in nur einer Folge zusammenbrach. Es gab keinerlei Vorbereitung; irgendetwas sagt mir, dass sie danach nicht mehr im Fokus stehen wird, und da seine Kündigung von dieser Dynamik abhängt, fehlt jegliche Spannung um seinen Abschied. Wir wissen, dass er nicht gehen wird, weil die ganze Sache zu überhastet ist, um Bedeutung zu haben.
Die Wendung um Boones Ehe ist zumindest neuartig. Seine „Frau“ ist in Wirklichkeit nur seine Ehefrau auf dem Papier, die Witwe seiner Ex-Partnerin, die er finanziell und emotional unterstützt hat. Das erklärt zwar die Geheimhaltung, aber nicht, warum es bis jetzt nicht einmal angedeutet wurde. Und am Ende von „Exit Interview“ entscheidet sich Boone,
nicht Er geht einfach, ohne jede Erklärung. Ich hoffe, das wird in späteren Folgen noch mal thematisiert, sonst wirkt es echt seltsam (und mal ehrlich: Warum weint Mickey wegen diesem Typen? Steckt da mehr dahinter, als man auf den ersten Blick sieht?). Solche Nebenhandlungen lassen einen das Gefühl haben, ein paar Folgen verpasst zu haben, und ehrlich gesagt, ist alles, was Cassie und Travis betrifft, im Grunde gleich. Nach dem ganzen Skye-Debakel kriselt es immer noch zwischen ihnen, und das ist ja auch okay, aber Travis‘ leichtsinnige Versuche, sie zurückzugewinnen – er überfällt sie im Gerichtssaal für einen Typen, der einen Strafzettel bekommen hat – gehen gründlich nach hinten los. Aber mal im Ernst: Wenn Travis und Cassie sich trennen, was sie hier ja tun, wenn auch einvernehmlich, dann frage ich mich, welchen Sinn die beiden in der Serie überhaupt noch haben. Travis steht kurz vor dem Abgrund, hineingezogen in den Bann von Skyes Anschuldigung. Ohne seine Beziehung zu Cassie ist er eher ein Parasit als alles andere, und seine Beziehung zu Mickey ist zu zivilisiert, als dass sie Zukunft hätte (es sei denn, ein Funke flammt zwischen ihnen wieder auf, aber das erscheint unwahrscheinlich). Sheriff Country
Folge 6 konzentriert sich größtenteils auf die Haupthandlung um Wes‘ alten Freund, der von einem anderen alten Freund wegen eines ziemlich banalen Streits ermordet wird. Doch diese Handlung ist durchaus gelungen. Wes ist hier nicht nur Mickeys Vaterfigur; er bildet eine Brücke zwischen den zivilisierteren Teilen von Edgewater und dem gefährlicheren, abgelegenen Gebiet, das er (ohne Wortspiel) zu einer blühenden kleinen Gemeinschaft gemacht hat. Seine Schwierigkeiten, sich an seine neue Umgebung anzupassen und seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das ganze Geschehen, und diese Nebenhandlung ist eine gelungene Konsequenz daraus. Es gibt hier auch eine fortlaufende Handlung: Die Kartelle dringen in Gebiete vor, und eine mysteriöse dritte Partei mischt sich ein und hinterlässt überall Drohbotschaften – ein Rätsel, das bis zum Ende der Folge ungelöst bleibt. W. Earl Brown verkörpert diese Figur hervorragend und verleiht ihr viel Lebendigkeit. Mir gefällt, dass er ein fester Bestandteil des Ensembles ist und nicht nur eine Nebenrolle spielt. Ich bin sicher, dass wir noch mehr von ihm sehen werden, und aus dieser Perspektive hoffe ich, dass die Folge insgesamt interessanter wird.
